„Der Drops ist gelutscht – jetzt zählt Platz zwei“
von Hendrik Hicken
Ein Bericht von MTV-Jever-II-Mannschaftsführer Hendrik Hicken
Wenn man sich seit Saisonbeginn ein klares Ziel setzt, dann tut es weh, wenn man es so früh aus den Augen verliert. Unser Plan war simpel und selbstbewusst: Wir wollten den Titel in der Verbandsliga Nord holen. Nach dem 3:9 im Spitzenspiel gegen den TV Friedeburg muss ich nun aber sagen: Der Drops ist gelutscht. Die Friedeburger ziehen ihre Kreise an der Tabellenspitze, und wir müssen uns nun voll auf den Relegationsplatz konzentrieren.
Ein Spitzenspiel – und doch ein bitterer Abend
Vor der Saison hatten viele gedacht, dass unser Aufeinandertreffen ein echtes Finale um die Herbstmeisterschaft werden könnte. Doch unsere vorherigen Patzer sorgten dafür, dass Friedeburg mit breiter Brust und fast makelloser Bilanz anreiste. Was dann folgte, war ein Abend, der zwar hochklassig war, aber aus unserer Sicht deutlich unglücklicher hätte kaum laufen können.
Ich sagte es hinterher bereits: „Gefühlt haben wir alle knappen Spiele verloren.“ Am Ende waren es sechs von acht Fünf-Satz-Partien, die an die Gäste gingen. Und das tut weh – sportlich wie emotional.
Ein guter Start – und dann das fehlende Spielglück
Dass wir nach den Doppeln mit 2:1 führten, war für uns ein wichtiges Zeichen. Thierry Miller und Daan Sanders sorgten mit ihrem starken 3:2 gegen Hinrichs/Stefanska sogar dafür, dass wir momentummäßig voll im Spiel waren.
Doch danach riss der Faden – oder besser gesagt: Das Glück stand auf der falschen Seite.
Henrik Vendelbo gegen Reichelt – 2:3.
Miller gegen Lang – 2:3.
Ich selbst gegen Dominik Stuckmann – 2:3.
Janek Hinrichs gegen Höppner – 2:3.
Vier Fünfsatzniederlagen hintereinander – und plötzlich waren wir statt 3:1 oder 4:1 auf einmal mit 2:5 hinten. Ich erwische mich immer noch bei dem Gedanken: Was wäre gewesen, wenn wir unsere Führung ausbauen? Vielleicht kippt dann das ganze Spiel – aber so ist Sport, und gerade Tischtennis kennt keine Gnade in engen Momenten.
Hochklassige Duelle – aber Friedeburg bleibt eiskalt
Für die Zuschauer war es ein tolles Duell auf Oberliga-Niveau: Vendeblos spektakulärer Schlagabtausch mit Jochen Lang, Hesslaus Krimi gegen unseren Ex-Spieler Christian Hinrichs – es war Werbung für den Sport.
Aber Friedeburg war einfach unglaublich effektiv. Ihr Plan, drei schwere Spiele in drei Tagen mit „Vollgas, Leidenschaft und starken Nerven“ anzugehen, ging voll auf. Am Ende feierten sie mit 19:1 Punkten verdient die Herbstmeisterschaft – und wir standen daneben und mussten zuschauen.
Unser Blick nach vorn
Natürlich tut diese Niederlage weh, auch weil sie deutlicher aussieht, als sie wirklich war. Aber wir stecken nicht auf. Die Tabelle zeigt, dass im Kampf um Platz zwei noch fünf Mannschaften realistische Chancen haben – uns eingeschlossen.
Wir wissen, was wir können:
Mit Vendelbo, Miller haben wir im oberen Paarkreuz internationales Format.
Mit Janek, Maximilian und mir selbst sind wir in der Breite stark besetzt.
Daan Sanders im unteren Paarkreuz eine sichere Bank.
Und vielleicht können wir in der Rückrunde personell noch etwas nachlegen. Es bleibt also spannend – und wir werden alles dafür tun, die Aufstiegsrelegation zu erreichen.
Und ja – wir wollen Friedeburg in der Rückrunde erneut ärgern
Wir haben gesehen, dass wir auf Augenhöhe sind – nur müssen wir die knappen Spiele wieder auf unsere Seite ziehen. Wenn uns das gelingt, haben wir in der Rückrunde noch eine Menge vor. Die Meisterschaft ist weg, aber die Saison ist es noch lange nicht.