Die Glücksformel lautet einfach nur: K und K

Die Haare hochtoupiert, das Paillettenkleid übergeworfen – die Jeveranerin hat eine ganz besondere Leidenschaft. VON THOMAS BREVES JEVER – Gerade einmal fünf Jahre ist es her, da wurde Hella Tadken-Taddicken der Boden unter den Füßen weggezogen. Ein Schlaganfall dreht am 7. Juli 2011 ihr Leben buchstäblich auf links, der rechte Arm ist plötzlich gelähmt. Es ist ihr Wurfarm, Hella-Tadken-Taddicken ist Sportkeglerin und das nicht gerade mit wenig Erfolg. Das Kegeln hat ihrem Leben bis dahin Halt gegeben. Nach der Trennung von ihrem Mann ist sie alleinerziehend für ihren seinerzeit neunjährigen Sohn verantwortlich und leistet sich als kleinen Luxus ein Reihenhaus in einer Neubausiedlung in Jever. „Beim Kegeln konnte ich aus dem Vollen schöpfen, Kegeln war Freude und Ablenkung“, sagt sie. Das sollte auf einmal nicht mehr funktionieren? Undenkbar. Das war 2011, im Jahr 2016 ist sie jetzt Deutsche Meisterin geworden, mit dem rechten Wurfarm. Der unbändige Wille, ihren Sport wieder ausüben zu können, hat sie zurück auf die Bahn getrieben. „Ich brauchte dieses Ziel. K und K, das ist meine Leidenschaft“, erklärt die Jeveranerin. Ein „K“, das steht fürs Kegeln, das ist klar. Beim zweiten „K“ fangen ihre Augen an zu leuchten und ein breites Lächeln liegt auf ihren Lippen. Es steht für Dieter-Thomas Kuhn. Der Schlagerbarde ist ihr Balsam für die Seele, sagt sie. Doch es ist noch viel mehr. Es ist ein Lebensgefühl, dem sie sich so häufig wie möglich hingeben möchte. Mehr als 40 Konzerte hat sie bereits von ihm besucht, reiste eigens 700 Kilometer nach Baden-Württemberg, um in Tübingen, der Heimatstadt des Sängers, dessen Liedern lauschen zu können. An sich ein Kind der Musik der 80er, verliert sie sich komplett in den Songs der 70- er. Ein Konzert von Dieter- Thomas Kuhn ist für sie ein „Happening“. Dann lässt sie sich auch die Haare länger wachsen, um sie standesgemäß hochtoupieren zu können. Das selbstgenähte Glitzerkleid, das sie dann trägt, ist mit Pailletten bestickt, sodass sie selbst aussieht wie eine Discokugel. Wer schon einmal auf einem Konzert von Kuhn war, weiß, dass sie damit nicht unangenehm auffällt. „Flowerpower“, sagt Hella Tadken- Taddicken und lacht. „Das einzige, was mir noch fehlt, sind die Plateauschuhe.“ Getroffen hat sie den Sängernatürlich auch schon, auf einer Aftershow- Party. „Da habe ich mich gefühlt wie ein kleines Mädchen.“ In diesem Jahr musste eines seiner Konzerte im Aladdin in Bremen verlegt werden und das ausgerechnet auf den Tag, an dem es für Hella Tadken- Taddicken um die Landesmeisterschaft ging. „Ich hatte eh damit gerechnet, dass ich nach der Vorrunde raus bin. Der Weg von Peine aus, wäre dann nicht so schlimm gewesen“, sagt sie. Doch rein sportlich sollte es ihr Jahr werden. Sie zog mit hervorragenden Würfen ins Finale ein und gewann. Noch in der Halle schlüpfte sie schnell ins Paillettenkleid und stylte sich passend, um unter den verwunderten Blicken der Konkurrenz aus der Kegelhalle zu schweben. Zehn Minuten nach Konzertbeginn stand sie in der Halle. „Ein Becks Gold und ein Ramazotti, das gehört bei Dieter- Thomas immer dazu“, erklärt sie. Seit dem Schlaganfall ist für sie Alkohol tabu – für ihren Star gibt es diese eine Ausnahme. „Das sind meine Highlights, die lasse ich mir nicht nehmen.“ Genauso wenig wie das Sportkegeln. „Ich will mit 90 noch die Damen D hier aufmachen“, sagt sie und lacht. Die Sportart habe ihr so viele schöne Begegnungen beschert, an ein Aufhören ist überhaupt nicht zu denken, selbst wenn die Gesundheit einmal nicht mitspielt.

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