„Under the red stone feat. Paulius Kaselis“

„Under the red stone feat. Paulius Kaselis“, oder es ist einfacher eine Weißrussen aus Minsk mit dem Bus nach Hamburg zu bekommen, als eine Jeveraner. So oder ähnlich könnte die Schlagzeile des friesischen Boulevardblattes nach der Odyssee der 2. Herren des MTV Jever im Speckgürtel von Hamburg am vergangenen Wochenende lauten.
Rückblick:
Dienstagmorgen kam die Absage von Gerrit Meyer an die 1. Herren für das Spiel in Lunestedt am Samstag. Leider genau das einzige Spiel das 1. und 2. Herren parallel bestreiten. Nach ca. 41 Mails und 36 Telefonaten konnte kurzfristig eine Lösung angeboten werden, die sowohl 1. als auch 2. Herren zufriedenstellen konnte. Hierbei sei der unermüdliche Einsatz von den beiden Thorstens nicht unerwähnt.
Mit Mikalai Zrazhavets wurde der eine weißrussische Neuzugang aus Minsk angefordert und Paulius im Gegenzug an die 1. Herren ausgeliehen. Damit sollte beiden Mannschaften geholfen sein.
Donnerstagnachmittag dann aber die nächste Hiobsbotschaft. Björn sagte kurzfristig ab, allerdings nicht aus eigenem Antrieb, die Arbeitssituation seines Arbeitgebers, durch diverse krankheitsbedingte Ausfälle tragischer Natur, ließ ein Kommen nicht zu.
Damit reduzierte sich die Stammspieleranzahl auf 5, also einer zu wenig. Nachdem der Abteilungsleiter weit vor Saisonbeginn glaubhaft machte, sämtliche Mannschaft stünden im Falle einer Ersatzanforderung sehr gerne bereit, sollte sich die Suche schwerer darstellen als angenommen. Im guten Glauben an die große Bereitschaft der unteren Mannschaften ist Thorsten Hinrichs dann doch fündig geworden. Am Freitagabend konnte Kevin Rodwell (6. Herren) von einem Ausflug in die Verbandsliga überzeugt werden. Alle Anderen aus der 3., 4. oder 5. Mannschaft fühlten sich nicht gewogen, bei uns auszuhelfen, oder durften nicht, weil sie mit Sperrvermerken ausgestattet sind. Gerade mal 2 Vereinskollegen haben überhaupt auf unsere Mails reagiert, mit verschiedenen Hinweisen auf etwaige Verhinderungen. Ein mehr als schwaches Bild, welches die Abteilung hier zeigt. Da alle Flüge aus Vilnius (Litauen) bereits ausgebucht waren, setzte sich Mikalai am Freitagmorgen um 11:15 Uhr in Minsk in den Euroliner um die weite Fahrt zu zwei Verbandsligaspielen auf sich zu nehmen. Ankunft um 13 Uhr in Hamburg am ZOB. Teamcaptain Thorsten und Sohn Daniel verließen ihr Domizil in Bassum um 12 Uhr um den jungen Mann in Hamburg abzuholen. Vereinbart war zwischenzeitlich eine Abholung um 14 Uhr am ZOB. Bis 400m vor dem Ziel gab es keine nennenswerten Behinderungen, die gingen erst kurz vor dem Ziel los. Komplettbaustelle rund um den Hamburger Hauptbahnhof. Nach 45 Minuten haben wir die 400m zurückgelegt und Daniel wurde beauftragt am ZOB nach einen blonden weißrussischen TT-Spieler zu suchen, da Papa noch im Stau direkt vor dem ZOB stand. Nach 1 Minute hatte er ihn gefunden (TT-Spieler erkennen sich halt) und so konnte die Fahrt nach Hittfeld losgehen. Leider spricht Mikalai nur wenig Englisch, dafür wir kein Russisch, perfekte Bedingungen also, um in der globalen TT-Sprache zu kommunizieren.
Leider, oder zum Glück ist der junge Mann viel zu gut für die Verbandsliga.
Los ging es in der nagelneuen Sporthalle zu Hittfeld. Die Doppel hat der Sportausschuss (Daniel und ich ;)) auf der Hinfahrt ausgetüftelt. Marek und Mikalai sollten es als Doppel 1 richten. Vater und Sohn als Doppel 2, dafür Ralf und Kevin im 3er Doppel. Das lief auch ganz gut an. Die M&Ms machten ihre Sache „wortlos“ mehr als gut und holten den ersten Punkt. Daniel und Thorsten harmonierten gar nicht, was aber nicht am Filius lag sondern am Partner. Zudem erwischte man mit Anton /Engels ein bislang ungeschlagenes Spitzendoppel. Ralf und Kevin standen gegen Ohling/Raeder auf komplett falschen Füßen und so stand es nach den Doppeln, unspektakulär, 1:2
Mika spielte anschließend eher Fangeball mit Anton Anton, so richtig kaputt sah er trotz 30 Stunden Bus ohne Schlaf, nicht aus. Wer schwitzt ist eh nicht austrainiert;)
Marek sorgte dann allerdings für das erste Highlight des Tages. Auf Messers Schneide stand das Match gegen Marc Engels als dieser dem Druck nicht mehr standhielt und beim Stand von 9:9 im 5. Satz tatsächlich 2 Fehlaufschläge produzierte. 3:2 Friesland!
Daniel gestaltete seinen ersten Einsatz im Herrentischtennis dann nicht weniger spannend. Gegen Dominik Schwardtmann tat er sich anfangs schwer. Gegen die Linkspfote kam kaum mal ein Ballwechsel zustande und so war es anfangs schwer in die Partie zu kommen. Das der 14jährige selten mal nervös wird, ist bekannt. Das kam ihm dann im entscheidenden 5. Satz zugute. Mit 15:13 behielt er die Nerven und buchte seinen 1 Sieg im Herrenbereich auf die Habenseite. Toll.
Weniger toll dann aber die Leistung vom Captain. Mehr will der Chronist dazu nicht schreiben, zu erschreckend das Gebotene.
Kevin mühte sich, kämpfte wie man ihn kennt und zeigte eine hohe Einsatzbereitschaft, allein der Gegner Jan Ohling blieb davon unbeeindruckt und zog mit einem deutlichen 3:0 davon. Auch Ralf brannte auf seine Verbandsligapremiere und legte los wie die Feuerwehr. Nach 2 vergebenen Satzbällen gegen Jannis Rahtjen lief aber leider nichts mehr. 0:3 das blanke Resultat und erneut der Rückstand. 4:5 Südhamburg.
Mika, zwischenzeitlich merklich aufgetaut, zog auch den Engel (s) in seinen Bann und ließ ihn erst nach Gratulation zum 3:0 wieder aus seinen Fängen.
Marek spielte gut auf gegen den „Dolmetscher“ Anton Anton (als Kasache des Russischen mächtig und so hilfreich bei der Integration) und führte schnell mit 5:1 im 1. Satz. Anton ist aber ein Klassemann. Er zog alle Register und holte sich den 1. Satz mit 11:5 ! Aber auch Marek ist ein toller Spieler mit viel Herzblut und Kampfkraft. Der 2. Satz dann für den Friesen (zwar nicht groß, aber blond) zum Ausgleich. Danach übernahm Anton aber das Regiepult und setzte sein Drehbuch exakt durch. 3:1 und damit 6:5 für Hittfeld.
Der Captain war auch noch da. Zwar nicht spielstark, aber zumindest fand er die richtige Box um gegen den angeschlagenen Schwardtmann (nervlich nicht körperlich) anzutreten. Das schien zu genügen, das Spiel indes hatte sicher kein VL-Niveau. Am Ende ein beschämender 13:11 im 5. Satz Erfolg für den Captain und der Ausgleich.
Währenddessen versuchte Daniel alleine sein Glück gegen Noppenspezi Raeder. Das lief nicht. Raeder spielte Katz- und Maus mit ihm und gewann die ersten beiden Sätze hoch. Bei 5:5 im 3. Satz war dann auch der Captain wieder da. Kurzer Zwischenruf „ich bin jetzt da, nun läuft es“ kurzer Lacher bei Raeder, und Satzgewinn für Daniel ;) Bis 9:5 im 4. Satz hatte Daniel nun Alles unter Kontrolle, doch Raeder hatte noch nicht abgeschaltet. Leider. Mit 6 Punktgewinnen in folge holte er sich dann den Sieg und die Vorentscheidung im Mannschaftskampf. Ralf hatte gegen Jan Ohling gar keine Chance und die Last lag nun auf Kevin. Der spielte famos auf im 1. Satz und wer weiß wie das Spiel läuft, hätte Kevin einen seiner 2 Satzbälle verwandelt. So aber mussten wir den Gastgebern gratulieren, nicht ohne die Gewissheit, mit einem Ersatzspieler aus der 3. Mannschaft hätte man sicher einen Punkt geholt.
Während Marek, Mikalai und Ralf im eigens gebuchten Hotel Burmester in Heidenau nächtigten, flitzte der Captain mitsamt Sohn und Kevin schon wieder Richtung Bremen, denn Kevin musste ja zum Bahnhof um wieder nach Hause zu gelangen, einer Einladung von Alf folgend. Die wiederum hatte sich zwischenzeitlich erledigt, ohne dass Kevin davon wusste. Also kurzerhand umgeplant und Kevin nach Delmenhorst zum Bahnhof gefahren. Gegen 22:45 Uhr war die erste Zielankunft in Bassum erreicht.
Sonntagmorgen 8:38 Uhr Achim-Baden Ortszeit
Der Chronist steht mit laufendem Motor vor der Wohnung unseres litauischen Sportsfreundes Paulius, der nach Leihgabe wieder im Schoße seiner Mannschaft weilen sollte. Der Hauptdarsteller des neuen Actionthrillers wollte nur eben die Zeitung reinholen, die Tür indes hatte andere Pläne. Sie fiel nämlich zu. Nicht schlimm, sofern man den Schlüssel mitnimmt. Diese Chance verpasste die Topspinhexe aus Vilinius allerdings und so stand er da in Puschen, Jogginghose und Pullover. Kein Ersatzschlüssel weit und breit? Doch. In seinem Auto sollte besagter Schlüssel liegen, schlecht wenn man den Autoschlüssel am selben Schlüsselbund hat wie den Haustürschlüssel. Zerstörerische Tendenzen taten sich zwischenzeitlich auf und ein Messer sollte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Der Captain entschied sich für eine kommunikativere Variante und versuchte anhand von Telefonterror bei Familie Hinrichs die letzten Informationen über den Hauseigentümer herauszukitzeln. Das gelang dann zufällig auch. Per Zufall konnte die Telefonnummer des Besitzers herausgefunden werden und unter demütiger Haltung, ob des frühen Sonntagmorgens, konnte hier ein Ersatzschlüssel „ausgegraben“ werden. Dieser befand sich unter einem Haufen roter Backsteine im hinteren Grundstückbereich (jetzt natürlich nicht mehr, wäre ja doof wenn das jetzt jeder weißJ).
Gegen 10:35 Uhr enterten wir die Poststr. In Tostedt.
Die Doppel mussten neu gewürfelt werden, was natürlich wieder der Sportausschuss (neues Mitglied übrigens Paulius Kaselis) während der Hinfahrt besprach.
Die M&Ms sollten es wie am Vortag richten. Paulius sollte Daniel an die Seite bekommen und die „Alten“ bildeten das 3er Doppel.
Marek und Mika entledigten sich ihrer Aufgabe kurz und schmerzlos, während Paulius und Daniel großartig gegen das Spitzendoppel agierte. Die Sätze 1 und 3 konnten sie gewinnen, 2 und 4 gingen deutlich an die Gastgeber. Bei 5:4 wurden die Seiten gewechselt und die schlechte Positionierung aus den verlorenen Sätzen sollte auch hier den negativen Ausschlag geben. Schade, war eine gute Leistung.
Ralli und der Captain spielten wirklich gut, leider auch die Gegner und so mussten die Beiden letztlich ebenfalls nach 5 Sätzen gratulieren. Trotzdem eine Leistung die für die Einzel hoffen ließ.
Marek zog „Windmühle“ Schwennecker früh den Stecker raus und triumphierte nach großer Leistung. Mika war auch noch da, brauchte allerdings 7 Punkte (1:6) bis er sich an das unorthodoxe Spiel von Klaus Igel gewöhnt hatte. Danach war für den Igel nichts mehr zu machen. 3:2 für die Multikultitruppe.
Der Captain war an der Reihe die Scharte vom Vortag auszuwetzen. So ein Quatsch! Thomas Krüger zeigte uns beiden, dass wir im falschen Paarkreuz spielen, er zu niedrig, ich viel zu hoch. Niemals hatte der Captain eine reelle Chance und ging früh zur Gratulation.
Paulus scheint Spaß an der ganzen TT-Sache zu finden. Mühelos bezwang er „Antipower“ Möller-Lentvogt, nicht ohne allerdings einen Satzball abwehren zu müssen. 4:3 Friesisch herb.
Daniel hatte die Form vom Vortag mitgebracht. Das war auch gut so, mit Kay Ludewig stand ein echter Riese (Körpermass) vor ihm, da kann man schon mal Angst kriegen. Der ist allerdings harmlos und will nur spielen. Da konnte Daniel mitmachen und gewann am Ende sicher nach wirklich guter Leistung mit 3:1.
Unser Großer wollte zeigen, was in ihm steckt. Tat er auch und bei 11:10 im 4. Satz sollte der erste Matchball auf der Speisekarte stehen. Kurios dabei allerdings, wie der Matchball herausgespielt wurde. Kollege Fengler bekam einen Ball, weit vom Tisch entfernt an die Schlägerkante. Drehte sich um um seine Spielgerät unter Missachtung des Haltbarkeitsdatums einem Härtetest der Marke „Stiftung Warentest“ zu unterziehen. Währenddessen segelte sein Kantenball in aller Seelenruhe Richtung Tisch. Ralli war allerdings aufmerksam und verwandelte zum 11:10, was bei seinem Gegenüber völlig unterging, da dieser immer noch mit seinem Spielgerät beschäftigt war. Leider konnte Ralli diesen und auch zwei weitere Matchbälle nicht nutzen und musste am Ende 9:11 im 5. Satz eine Niederlage hinnehmen. 5:4 Friesland.
Was ein Hin- und Her beim Spiel Klaus Igel gegen Marek Janssen. Am Ende reduziert sich dieser Schlagabtausch auf das blanke Ergebnis 12:14 im 5. Satz für den MTV. Aber nicht Jever sondern Tostedt, so ein Mist. Erst wehrt Marek 2 Matchbälle ab um dann selber 3 zu vergeben. 5:5 MTV.
Physikstudent und TT-Profi Mika ficht das nicht wirklich. Im Duell der Leftys sah Schenni entsprechend seines Alters aus. 3:0 und die erneute Führung für den MTV Jever.
Paulius blieb ganz entspannt (Aufregung hatte er ja auch schon) und bügelte Thomas Krüger schnell ab. Der Captain vervollständigte seine Sammlung von verschlagenen Vorhand- und Rückhandtopspins und könnte einen schwunghaften Handel damit betreiben, Punkte bringt das allerdings nicht. Beschämende 5 Minuten für den Captain. Nicht zu ändern.
Daniel spielte gut, seine Gegner auch. In einem Verein mit einigen Osteuropäischen Damen die ebenfalls dem Abwehrspiel zugetan sind, scheint Sportsfreund Fengler dieses Spielsystem ganz gerne zu haben. Entsprechend agierte er ab Satz 3 und ließ Daniel kein wirkliche Chance, trotz guter Leistung. Ein Los das Abwehrspieler tragen müssen.
Im Duell der Großen konnte Ralli phasenweise an seine Leistung aus dem 1. Einzel anknüpfen, eine Chance auf den Spielgewinn war allerdings nicht zu erkennen. 7:8.
Die M&Ms wollten sich aber nun nicht vernaschen lassen und pochten auf ein zumindest ansatzweise gerechtes Remis. Dagegen hatten Krüger und Igel aber Einiges. So sah es bei 0:2 und 4:7 nicht nach einem Teilerfolg aus. Die beiden Jungstars zogen den Kopf noch einmal aus der Schlinge und glichen aus. Im 5. Satz dann wieder 5:9. Dann passte aber die Positionierung besser und 6 Punktgewinne in Serie sollten das Unentschieden eintüten.
Keiner der 12 Spieler konnte sich zufrieden äußern, die Einen trauerten einem möglich 9:3 hinterher, die Anderen der 9:5 Führung im 5. Satz.
Am Ende nehmen beide Teams etwas mit, das ist besser als nichts.
Danach ging es wieder gen Heimat, Mika wurde vom Captain in sein Hotel in der Nähe des Flughafens gebracht, er sollte am Montagmorgen um 6:55 Uhr gen Heimat fliegen. Vorher noch einen kurzen Abstecher in das neueröffnete amerikanische Restaurant am Bremer Flughafen.
Die Reise des Captains endet um 05:50 Uhr vor dem Bremer Hotel um Mika den kurzen Weg zum Bremer Flughafen zu erleichtern. Zusätzlich die väterliche Sicherheit, dass er wohlbehalten zuhause ankommt. Man gut das der Captain direkt am Flughafen arbeitet und nur 200m in sein Büro hatte.
Fazit: Die Weißrussen und Paulius sind viel zu gut für die Verbandsliga und auf den Club wird noch so manches Problem mit den Aufstellungen zur Rückrunde zukommen (TTR sei Dank). Die groß angekündigte Bereitschaft der Mannschaften unterhalb der 2. im Notfall auszuhelfen ist wenig bis gar nicht ausgeprägt, was innerhalb der 2. Mannschaft für großen Unmut gesorgt hat. Darüber wird zu sprechen sein.
Ein ausdrücklicher Dank und auch völliger Ausschluß aus der genannten Kritik geht an Thorsten Hinrichs, der mit höchstem Einsatz Alles versucht hat, die 2. Mannschaft nicht alleine zu lassen. Vielen Dank Kumpel
Bis zum nächsten Mal.

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